Wie funktioniert die Altersvorsorge in der Schweiz?

Die schweizerische Altersvorsorge ist auf dem «3-Säulen-System» aufgebaut. Wir erklären kurz jede der drei Säulen und zeigen, warum wir eine stärkere AHV brauchen.

1. Säule: die AHV

Die 1. Säule: die AHV

Obligatorisch ab dem 21. Geburtstag. Aufgabe: den Lebensunterhalt decken.

Die AHV ist die Grundlage der Altersvorsorge. Sie ist günstig, gerecht (die Reichen müssen mehr einzahlen) und effizient, denn alle profitieren von ihr. Die Verwaltungskosten sind klein und keine Vermittler oder Spekulanten ziehen Geld ab: Jeder investierte Franken kommt den Versicherten zugute. Zwei Drittel der Frauen im Rentenalter müssen ihren Lebensunterhalt allein mit der AHV-Rente bestreiten.

Herausforderungen:

  • Die Renten sind zu niedrig (zwischen 1'195 und 2'390 pro Monat). Sie müssen erhöht werden.
  • Leute mit niedrigen Einkommen und Teilzeitarbeitende haben praktisch keine Chance auf ein volle Rente; diese gibt es nur nach 44 Jahren AHV-Beiträgen auf ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 86'040 Franken.
  • Die AHV muss sich aktuell auf eine grosse Anzahl neuer Rentner:innen vorbereiten: die Baby-Boomer-Generation kommt ins Rentenalter. Deshalb müssen für eine beschränkte Zeit zusätzliche Mittel gefunden werden.

2. Säule: die berufliche Vorsorge (Pensionskasse)

2. Säule: die berufliche Vorsorge (Pensionskasse)

Obligatorisch ab einem Einkommen von 21'510 Franken pro Jahr. Aufgabe: den Lebensstandard aufrecht erhalten.

Beiträge in eine Pensionskasse zahlen alle angestellten Erwerbstätigen mit einem jährlichen Einkommen über 21'510 Franken. Es handelt sich um ein Kapitalsystem: Ein Teil der Beiträge fließt in einen individuellen Fonds, der im Rentenalter als Rente oder Kapital ausbezahlt wird. Jede Pensionskasse ist an ein Unternehmen oder eine Branche gebunden, hat unterschiedliche Regelungen und bietet unterschiedlich hohe Leistungen.

Herausforderungen:

  • Die Pensionskassen-Renten sinken seit Jahren.
  • Viele Frauen haben keine 2. Säule oder wegen Teilzeitarbeit und Unterbrechungen in der beruflichen Laufbahn nur ein geringes Kapital.

3. Säule: die private Vorsorge

3. Säule: Private Vorsorge

Freiwillig. Aufgabe: individuelle Ergänzung, um Lücken bei den anderen beiden Säulen zu füllen.

Persönliche Ersparnisse sind eine Einrichtung, die auf die Reichen zugeschnitten ist. Wer es sich leisten kann, Geld für den Ruhestand zurückzulegen, erhält als Bonus Steuererleichterungen. Banken und Versicherungen verwalten die Gelder der dritten Säule und können damit Gewinn machen.

Herausforderungen:

  • Banken und Versicherungen haben ein Interesse daran, die AHV zu schwächen, um von der gewinnbringenden privaten Vorsorge zu profitieren. Aus diesem Grund machen sie die AHV schlecht.
  • Die dritte Säule hat ein viel schlechteres Preis-Leistungs-Verhältnis als die AHV. Grund dafür sind die hohen Verwaltungskosten und die Privatisierung der Gewinne.

Für die Gewerkschaften ist klar, dass es eine stärkere AHV braucht und dass es keinen Abbau bei den ersten beiden Säulen geben darf!